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14.05.2012 00:24:49 
Tino Theer 
Unter Franken
Bericht zum 4. Rapidturnier 2011/12 in Trappstadt
das war unser Ziel und unser Motto konnte nur lauten, der „Wolf im Schafspelz“ zu sein. Witziger Weise waren wir nicht die einzigen Thüringer, die ins schöne unterfränkische Trappstadt reisten, denn auch Papa Riedel hatte sich mir 2 jungen Schachdamen auf den Weg gemacht. Da nicht nur Uwe, sondern auch ich morgendliche Hektik hasse, ging es rechtzeitig um 8.11 Uhr in Fumich los. GoogleMaps erzählte mir was von 1h 10Minuten, wenn man über die Dörfer fährt und so war ich recht verblüfft, als ich um Punkt 9 Uhr bereits in Trappstadt andockte.

Nun gut, also erst Mal die Lage gecheckt – es sah gut aus. Die Kids konnten sich nun also ausgiebig einspielen und bei Tristan gegen Jonathan sah das auch nach richtig gutem Schach aus, was auch ein paar Zuschauer anlockte. Bei David Reum gegen Hannes „Bonsai“ Amstein hingegen trieb ich noch die eine oder andere Fluse aus. Dann sollten die Spiele also beginnen. Es waren 86!!! Kinder anwesend und gleich zu Beginn der Dämpfer, denn die U16 und U14 spielten zusammen, was Tristan natürlich nicht wirklich gefiel. Meine eigene Taktik war klar: Möglichst wenig zuschauen und lieber draußen vor der Türe die „Sonne genießen“ und mit den „Fremden“ knaffen. Kommen wir zu den Ereignissen aus Sicht unserer Bauernkrieger.

Hannes „Bonsai“ Amstein gefällt mir zurzeit richtig gut. Er spielt begeistert Schach und sorgt abseits des Bretts immer für Stimmung. Eine unschlagbare Kombo! Erwartungen hatte ich wie immer keine und mir persönlich war es Wichtigsten, dass er nichts einzügig einstellt und nach jedem Zug überlegt was droht, das war jedenfalls das Ergebnis beim Einspielen zuvor. In Runde 1 klappte das prompt, da schaute ich noch zu und der verdiente Punkt kam souverän rüber. In Runde 2 folgte dann die Null. Hannes ließ sich aber nicht lumpen und legte gleich 2 Siege nach, was mich beeindruckte. Damit war er mit 3/4 bis dahin der Beste unserer Delegation. Dann verließen sie ihn aber, wie es so schön heißt und Bonsai glänzte in der 2. Turnierhälfte durch das Sammeln von Zeitstrafen. Ja, richtig! Die unterfränkische Schachjugend fährt hier einen härteren Kurs, d.h. unmögliche Züge o.ä. können reklamiert werden und der Gegner bekommt eine Zeitgutschrift von 2 Minuten. Bei 3 solcher Fälle während einer Partie, ist diese verloren. Pädagogisch durchaus sinnvoll. Ganz so schlimm war es bei Hannes nicht, aber immerhin 4 Zeitstrafen heimste er unnötiger Weise ein. In der Schlussrunde gab es dann noch ein Remis und die 50% Marke war geschafft. In meinen Augen ein respektables Ergebnis.

Bei David sah es die Situation etwas anders aus. Er geht allgemein schon konzentrierter zu Werke als Hannes, hat neulich seine Erst-DWZ gemacht und hatte sogar ein Schachbuch mit im Auto dabei (Dickes Lob!). Von daher dürfte er als etwas stärker eingeschätzt werden, aber ich behandelte beide gleich. David startete ebenfalls mit einem Sieg und einer Niederlage ins Turnier, musste aber in Runde 3 gegen die Nr. 2 der Setzliste spielen und sah da leider kein Land. In Runde 4 konnte er aber wieder schön punkten, bevor in Runde 5 das Waterloo nahte. David kam aus dem Spielsaal raus und berichtete mir von starken Kopfschmerzen und seinem Verlust. Daraufhin verfrachtete ich ihn ins Auto, wo er gut 30 Minuten bis zur nächsten Runde schlafen konnte. Nach einigen erfolglosen Weckversuchen, kam er dann doch wieder zu sich und siehe da, er holte in den beiden Schlussrunden 1,5 Punkte!!! Schön. Bei nächsten Mal will er wieder einen Mittagsschlaf machen, wie er sagte :-). Damit auch die 50% erreicht, ebenso wie bei Hannes ein tolles Ergebnis.

Hey-Ho-Joe. Schon der Blick auf die Startrangliste offenbarte es, Jonathan stand an 2 mit nur wenigen DWZ-Punkten Rückstand. Dieser Mitfavoritenrolle wurde er in Runde 1 auch prompt gerecht, als er mit einem glatten Turm weniger vollkommen auf Verlust stand. Ich „freute“ mich schon, dass Joe wenigstens gleich zu Beginn einen Dämpfer kriegen wird und sich dann hoffentlich zusammenreißen wird. Aber irgendwie scheint sein Karma dem von Marco recht ähnlich zu sein, denn er is bekanntlich ne Mehlsau. Also erst ein Turm weniger – dann nur noch die Qualität und schließlich nen Läufer mehr, weil der Gegner ne Gabel übersieht. Ein souveräner Auftaktsieg sieht anders aus. Die 2. Runde lief irgendwie ähnlich, Joe steh auf Verlust und der Gegner vergeigt es lieber ins Remis. Die Hoffnung auf einen Pokal starb da schon irgendwie in mir. Runde 3 mit der nächsten Krönung. Ich sah nur ein Turmendspiel mit Minusbauer und ging lieber wieder. Später vermeldete Joe dann einen Sieg und meine Gesichtszüge und Gedanken entglitten mir. Der Gegner hat wohl die Türme getauscht, dabei den Bauer verloren und Joe war mit seinem König am anderen Flügel schneller. Nun-Ja Joe ist eben ein Kampfschwein und das zahlt sich eben aus. Runde 4 brachte ihn ans Spitzenbrett wo die ungeschlagene Nr. 1 Pablo Wolf (Bamberg, DWZ 1219) saß und unseren Joe böse vermöbelte. Pablo war wohl Joe’s mentaler Huy Dat… Manch Zuschauer sprach auch von einem 100% Durchmarsch des Bambergers. Danach riss sich Joe aber richtig zusammen und holte den Hattrick. Saustark! Damit war klar, er ist mit 5,5/7 sicher Dritter. Leider blieb es auch dabei, denn ein halber Buchholzpunkt trennten ihn von Pablo Wolf auf Platz 2 (ist eben kein Huy Dat ^^).

Unser Oberwolf im Schafspelz konnte nur Tristan sein, der Platz 7 im gemeinsamen 18-köpfigen Teilnehmerfeld der U16/U14 sein eigen nennen durfte. Davon waren 8 U16 Spieler mit z.T. DWZ und Elo 1700+. Tristan war zwar bester U14 Spieler in der Setzliste aber ich ahnte schon zu Beginn, dass es hier tragisch werden wird. Sein rascher Auftaktsieg brachte ihm in Runde 2 bereits Leon Bauer (1773) vor die Flinte. Überstolz war ich jedoch, als er mir einen halben Punkt vermelden konnte. Bärenstark. Damit verfolgen meine Zweifel auch schon wieder. In Runde 3 dann ein Herzschlagfinale, Tristan gewinnt in gleicher Stellung auf Zeit, hat selbst nur noch knapp 20 Sekunden auf der Uhr. Wahnsinn. Er ist sichtlich stolz, ebenso wie ich, auf Grund dieser starken Nerven. In Runde 4 gab es dann eine verschmerzbare Niederlage gegen Andreas Grod (1692). Dem folgte eine weitere starke Punkteteilung gegen Stefan Demar (1566). In der Vorschlussrunde kam Tristan dann aus seinem Konzept und verlor gegen Kilian Klug (1254), wodurch die Schlussrunde zum dramatischen Höhepunkt werden sollte.

Tobias Schwarz (1406) hieß sein Gegner und Tristan gelang es eine Qualität zu erobern, gleichzeitig schossen nun aber die Gedanken durch seinen Kopf, dass er doch gewinnen müsse und so streute er prompt 2 schlechte Züge ein und verlor letztlich gar noch die Partie. Welche Dramatik. Und wie es so ist, „das Schicksal ist eine Hure“, landete Tristan auf Rang 4 der U14 Wertung. Kleiner Trost: Er hatte die höchste Buchholz und das obwohl er im Gesamtklassement auf 12/18 lag. Ohne Worte. Für mich persönlich ist es unmöglich adäquate Worte dafür zu finden und auch Tristan stand die Enttäuschung sichtlich tief ins Gesicht geschrieben. Niemand hätte einen Pokal mehr verdient gehabt als er! Mich persönlich hat er jedenfalls tief beeindruckt und ich bin nun noch motivierter ihn zu seinem 2. Pokal zu führen. Am Ende konnte ich ihm nur einen tröstenden Rat geben: „Im Universum gleicht sich alles aus!“.

So blieb also Joe unser einziger Pokalträger. Wenn er noch weiter an seinem Charakter arbeitet dürfte es auch mal der ganz große Pot sein in Zukunft ;-). Für alle anderen gab es Medaillen, was für Hannes und David natürlich großartig, für Tristan allerdings eher wie der Schlag ins Gesicht war. Letztlich kann aber mein Fazit nur sein: Großartig! Die unterfränkische Schachjugend hat mich auf Anhieb überzeugt. Was hier so kurz hinter der Grenze alles abgeht hätte ich nicht gedacht. Wir werden definitiv gerne wieder an diesen Events teilnehmen, im Juli ist wohl in Stetten noch so ein Turnier. Ob das klappt, werden wir sehen. Als Jugendwart des Schachbezirks werde ich mich auf jeden Fall mit den Verantwortlichen in Unterfranken austauschen, denn hier könnte eine gewinnbringende Kooperation auf uns warten.

Ansonsten war es einfach nur schön mit den 4 Jungs in Trappstadt. Das wir doch so weit vorne gesetzt waren, hätte ich nicht gedacht und unterstreicht mein Kredo: „Qualität statt Quantität“. Von daher geht es emsig weiter auf der Leiter!


Titelbild: Alle Sieger/innen

Bilder unten v.l.n.r.: (1) Tristan (vorne links) gegen Jonathan, Hannes (hinten links) gegen David (2) Jonathan onboard (3) Jonathan von oben (4) Hannes onboard (5) David onboard (6) Die U16/U14, Tristan hinten in Rot (7) Tristan in der Ecke (8) Jonathan beim Pokalempfang (9) Hannes kriegt die Medaille (10) David Siegerehrung

 
 
 
 
 
 
 
 
 


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