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30.04.2012 17:37:51
Tino Theer
Zu Gast bei Freunden II
Bericht vom ultimativen Abstiegskampfspiel unserer ersten in Breitenworbis
so hieß ja das Motto bei der Fußball-WM in Deutschland, aber dort konnte man ja nur seinen Ruf ruinieren. Bei uns gings gestern dann doch um ein bisschen mehr…
In aller Herr-Gotts-Frühe (halb achte) fuhren wir los und mussten gleich 2 Gebirge überwinden, den Thüringer Wald und den Hainich. 2 Insassen wurde bei dieser Kurverei schlecht, die dummerweise später auch verloren. Am Fahrer lag es jedenfalls nicht. Punkt Neune waren wir dann am Thüringer Hof zu Breitenworbis, wo wir prompt von Rainer Gast empfangen wurden. Dieser drängte uns gleich zur Eile, weil der werte Herr Pressefotograf um halber zehne zur Kommunion musste. Stressen ließen wir uns jedenfalls nicht. Die Ruhe bewahren war sowieso angesagt. Ein Sieg würde den sicheren Klassenerhalt bedeuten, bei einem Vier-Vier bräuchten wir Schützenhilfe aus Salzungen und bei einer Niederlage wäre die ganze (Hainich)-Gurkerei völlig Sinn frei gewesen. Unseren Gastgebern reichte mindestens ein Unentschieden.
Für mich war es der erste Ausflug zu Rainer’s buntem Haufen und der erste Eindruck war gut. Nervig war nur der extrem knarzige Fußboden, aber dafür war das Essen extrem lecker und auch preiswert. Den ersten halben Punkt frachtete unser Altmeister Heß aufs Punktekonto, für alle anderen hieß es aber auf Sieg spielen. Etwa nach 2 und er halber Stunde verriet uns Uwe, dass seine Stellung kaputt sei und nach dem feinen Zug Sa4 von Rainer Gast, war es auch für uns offensichtlich. Unheilvoll ging es auch an meinem Nachbarbrett zu, wo unser Erik gegen den alten Petiko die Klötzchen führte. In unklarer Stellung bot er gleich 2 Mal Remis an und manövrierte recht unmotiviert hin und her, was in einem groben Patzer Tf6??? die Partie beendete. Das einzig schöne war Erik’s Partieformular auf dem er als Gegner Petileo vermerkte. Erik beendete die Saison so, wie sie auch lief, alles andere hätte mich auch gewundert. Im nächsten Jahr dürfte es von ihm aber dann Punkte hageln. Damit -2 für uns bei noch 5 laufenden Dinger. In Anbetracht der Ernsthaftigkeit der Begegnung war das natürlich Scheiße.
Mit Glanz und Gloria ging Marco in diese entscheidende Schlacht, man könnte fast sagen, dass er wie ein wahnsinniger Berserker spielte. Am Vortag drängte mich Marco zu einem Rat, ob er denn nun1.Sf3 oder 1.e4 spielen solle. Ich hielt die Frage natürlich für sinnlos, weil ich ja nicht weiß, womit Marco besser zu Recht kommt, aber nachts um 1 Uhr riet ich ihm entnervt zu 1.e4. Dummerweise ahnte ich schon auf der Fahrt, was da womöglich am Spitzenbrett passieren wird. Na wer errät es? Richtig – Helloween! Die anderen waren zwar skeptisch, aber mir war klar, das wird ein voller Punkt. Marco verzettelte sich allerdings im Blutrausch und stand mittendrin, obwohl sich Bötticher nicht korrekt verteidigte, einfach mit einem kompensationslosen Minusbauer da. Ein Turmeinsteller seines Gegners im 41. Zug rettete ihm seine Haut und hielt uns im Match. Etwa zeitgleich musste ich frustriert meinem Opponenten Frank Hermann das Batsche-Händchen reichen, als wir in einem totremisen Bauernendspiel ankamen. Die Analyse zeigte mal wieder, dass ich 1 Mal den trivialen Gewinn und mehrmals die beste Fortsetzung ausgelassen habe. Damit reiht sich diese „Glanztat“ nahtlos in die eher triste Galerie dieser Spielzeit ein. Nun war’s also Mittag – Lutz, Heiko und Rico spielten noch und nirgends sah es nach einem Sieg aus.
Es ging auf 2 zu und Uwe R. berichtete mir schon von den kargen Errungenschaften der Zweiten und Dritten. Ein Vögelchen zwitscherte uns zudem, dass in Salzungen wohl die Schützenhilfe in der Mache sei, denn da stand es 3 : 1. Dummerweise musste aber noch einer unserer Dreien mehr als den sicheren halben Punkt machen. Bei Lutz und Heiko hieß die Aufgabe Damenendspiel, bei Rico waren glaube ich nur noch Türme im Spiel. Kurz nach 2 vermeldeten Lutz und Rico dann – rien ne va plus – und damit klebte das Schicksal unserer 1. Garde an Heikos Fingern. Es war halber drei und besagter Vogel vermeldete das amtliche Endergebnis von 5,5 : 2,5 für Salzungen und die Spannung stieg im Biergarten aufs Unermessliche. Um kurz nach drei kam dann die Erlösung und Heiko machte sich an diesem Tage unsterblich. Die Heimfahrt war schließlich noch von zahllosen Schleichern geprägt, aber dafür war die Stimmung bei uns im Karren wunderbar. Um 17 Uhr hatte ich endlich wieder heimischen Boden unter den Füßen. Und wie ich schon im Vorfeld gesagt habe, war es wieder mal eine Ehre mit unserer ersten verreisen zu dürfen!
Für einen tiefgreifenden Rück- und Ausblick habe ich heuer keine Muße, es dürfte eh turbulent werden. Nach der Bezirksversammlung werde ich dann allerdings mal ne Einschätzung der Lage vornehmen.
Wer bockt hat: Am Dienstag wird dann im Wittgenthal ein bisschen gefeiert ;-) !
Titelbild: Der „Unsterbliche“

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